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Betonmuster
[Ornamentik in der Fertigbauarchitektur]

"Ornament und Verbrechen" - der berühmte Aufsatz von Adolf Loos zur Verdammung von Zierelementen in der Architektur und im Konsumgüterbereich ist trotz seiner teils fragwürdigen Argumentationsweise (Loos behauptet, daß die meisten Gefängnisinsassen und Angehörigen "primitiver" Völker tätowiert seien und somit jeglicher Zierrat verbrecherischen und unterentwickelten Geistes entstamme) Plichtlektüre und Einfluss für Generationen von Architekten und Designern gewesen. Um so erstaunlicher ist es dann, wenn man sieht, wie sich dennoch eine reichhaltige Ornamentkultur in den Hochhaus- und Plattenbauvierteln der 60er und 70er Jahre entwickelt hat. Es ist in sofern verwunderlich, wenn man bedenkt, daß diese Häuser- und Wohnkultur auf den Vorüberlegungen des rationellen Bauens der 20er Jahre basiert, einer Zeit, in der die von Loos geäußerten Theorien als elementarer Grundsatz in der damals modernen Architektur angesehen wurden.

Bereits zur Jahrhundertwende vom 19. zu 20. Jahrhundert wurden die Stuckverzierungen an den Gründerzeithäusern industriell produziert und nicht mehr in Handarbeit hergestellt, was allerdings ihre Formensprache dem Betrachter vorgaukelt. Die Ornamentik an den neuzeitlichen Bauten ist somit eigentlich konsequenter, da man ihr den Herstellungsprozeß ansieht; trotzdem ist sie genau genommen auch nur die logische Weiterentwicklung der Stuckverzierung. Charakteritisch an ihnen ist, daß sie für große Flächen ausgelegt sind und entsprechende Rapportfähigkeit aufweisen.
Egal wie man nun zu solchen Verzierungen steht, Tatsache ist, daß hier eine eigene kleine epochale Kultur entstanden ist, von der man sich in der Fullscreengalerie nun ein eigenes Bild machen kann.

Sämtliche Bilder wurden in Halle (Saale) gemacht; eigene Bilder von Betonmustern und -ornamenten für die Galerie können mir gerne zugeschickt werden. > info(at)gunnardonis.de


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